Dresden in der Krise: Bürger malen Zebrastreifen aus Protest!

Dresden in der Krise: Bürger malen Zebrastreifen aus Protest!
In der Neustadt von Dresden sorgt ein häufiges, aber keineswegs alltägliches Thema für heftige Diskussionen und nicht weniger für einen schier unlösbaren Streit: die Sicherheit der Fußgänger und insbesondere der Schulkinder. Vor sieben Jahren beschloss der Stadtrat, die Anzahl der Zebrastreifen im Stadtgebiet zu erhöhen, besonders in der Glacisstraße. Doch seitdem blieb es still – keine Maßnahmen zur Umsetzung sind erfolgt, und der Zustand ist mehr als bedenklich.
In einem bemerkenswerten Akt der Eigeninitiative malten einige Anwohner kurzerhand selbst Zebrastreifen auf die Straße. Damit sorgten sie dafür, dass Autos anhaltend stoppten, damit Schüler sicher die Straße überqueren konnten. Die Reaktion der Stadt ließ jedoch nicht lange auf sich warten: Sie sperrte kurzerhand den Bereich mit Warnbarken ab. Diese Reaktion bewertete Stadtrat Stefan Engel (SPD) als „Verwaltungsversagen“ und bliesen einen scharfen Wind in die Sache – die Stadt wurde zur bundesweiten Lachnummer stilisiert.
Die Sorgen der Eltern
Die Bedenken der Eltern sind nicht unbegründet. Stefan Kraft, Vorsitzender des Kreiselternrates Dresden, äußerte sich besorgt über die Sicherheit der Schulkinder. Sie müssen weite Umwege gehen, um die Straße sicher zu überqueren – „Aber wo laufen denn die Kinder 300 Meter nach links oder rechts, nur um einen Zebrastreifen zu finden?“, fragt er zurecht. Im Bereich befinden sich mehrere Schulen und Kindertageseinrichtungen, und das veränderte Verkehrsaufkommen nach dem Brückeneinsturz der Carolabrücke tut sein Übriges.
Die vorhandene Verkehrsinsel wird von vielen als unzureichend wahrgenommen. Einem klaren Signal für Autofahrer, dass Fußgänger und Radfahrer Vorrang haben, fehlt es gänzlich. Kraft fordert einen Zebrastreifen oder gar eine Ampel als Lösung. „Eine Ampelanlage ist zwar eine größere Investition, aber die Unterhaltung eines Zebrastreifens ist langfristig kostengünstiger“, so seine Argumentation.
Keine Rückmeldung von der Stadt
Unterdessen äußert sich auch Miriam Lehmann von der Elternvertretung des Heinrich-Schütz-Konservatoriums kritisch. Für die über 5.000 Kinder, die wöchentlich das Konservatorium besuchen, ist die Unsicherheit im Straßenverkehr ein großes Thema. Sie fordert ebenfalls eine Ampelanlage für den Übergang und beklagt fehlende Rückmeldungen seitens der Stadt. „Es kann nicht sein, dass unsere Kinder in die Unsicherheit geschickt werden“, macht sie deutlich.
Die Schaffung sicherer Wege für Fußgänger ist nicht nur eine Frage der Infrastruktur, sondern auch eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, die den Schutz unserer verletzlichen Verkehrsteilnehmer wie Kinder, ältere Menschen oder mobilitätseingeschränkte Personen in den Fokus rücken sollte. Laut einer Untersuchung werden viele Fußgängerunfälle an Stellen registriert, wo sie Straßen überqueren. Ein Zebrastreifen könnte hier eine einfache, aber wirksame Lösung darstellen.
Die Geschichte um die Zebrastreifen in der Glacisstraße ist ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, dass die Stadt ihre Versprechen hält und die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden ernst nimmt. Denn am Ende des Tages muss ein guter Verkehrsfluss auch Platz für Fußgänger und deren Sicherheit bieten.
Bleibt zu hoffen, dass diese Posse bald ein Ende findet und die Stadt zu einer Lösung kommt, die sowohl den Fußgängern als auch den Anwohnern zugutekommt. Denn eines ist klar: der Fußverkehr ist eine Grundsäule der städtischen Mobilität, und hierhapert es zurzeit gewaltig.
Nach einem Gespräch mit Verantwortlichen des Deutschen Verkehrssicherheitsrates zeigt sich, dass Maßnahmen zur Sicherheit im Fußverkehr sowohl auf Verfahren als auch auf Infrastruktur setzen sollten. Sollte Dresden hier nachziehen, könnte sich die Situation in der Glacisstraße vielleicht bald zum Positiven wenden.
Mehr über die aktuellen Entwicklungen rund um das Thema Fußgängersicherheit können Sie auf den Seiten von Dresdner Neueste Nachrichten, MDR und DVR nachlesen.